← Zurück zum Blog · Beispiel-Detailseite
Was macht eigentlich eine Business Angel aus? Manchmal sind es die großen Entscheidungen – und manchmal die leisen Momente am Küchentisch. In diesem Interview erzählt eine Investorin, wie sie durch das Vorbild ihrer Eltern, eine prägende Begegnung beim ersten Investment und den Rückhalt des encourageventures-Netzwerks ihren Weg gefunden hat. Sie spricht darüber, worauf sie bei Startups achtet, welche Branchen sie derzeit besonders spannend findet und warum sie überzeugt ist: Nur gemeinsam – in starken Syndikaten und Netzwerken – entfalten wir als Investor:innen die volle Wirkung.
encourageventures im Gespräch mit der Investorin Birte Kattelmann-Jagdt
Es gibt zwei Erlebnisse, ohne die ich wahrscheinlich nie Business Angel geworden wäre.
Das erste: Meine Eltern hatten selbst ein Unternehmen – einen Farben- und Tapetenladen. Als mit dem Aufkommen der Baumärkte das Geschäftsmodell ins Wanken geriet, gründeten sie parallel zum laufenden Betrieb ein Unternehmen für Sonnenschutzsysteme. Am Küchentisch durfte ich über Jahre live miterleben, wie sie von der Idee über die erste Fertigung bis hin zum mittelständischen Unternehmen mutig ihren Weg gingen. Das hat mich geprägt und mir gezeigt, wie viel möglich ist, wenn man Chancen ergreift und einen Neuanfang wagt.
Nach vielen Jahren bei BASF und in der Unternehmensberatung habe ich schließlich mein erstes Investment gemacht – als Limited Partner (LP) beim World Fund. Darüber lernte ich ein Startup für Batterierecycling aus Aachen kennen. Bei einem Besuch vor Ort erzählte mir die Gründerin, dass das Team die Pilotanlage noch selbst bauen könne. Für eine Anlage im Industriemaßstab fehle ihnen jedoch die nötige Erfahrung. Sie suchten dringend jemanden, der den Bau einer solchen Anlage technisch und organisatorisch verantworten kann. Ich konnte helfen und stellte den Kontakt zum ehemaligen Werksleiter von BASF in Düsseldorf her. Er berät das Team bis heute – und hat inzwischen mehrere ehemalige Kollegen mitgebracht. Nach dieser Erfahrung dachte ich: Da geht noch mehr!
Was ich gerne früher gewusst hätte: den Unterschied zwischen einem strategischen Investment und einem Exit Case. Denn ich kann nur dann weiter investieren, wenn auch Kapital zurückfließt. Ohne realistischen Exit binde ich mein Geld – und verpasse die Chance, noch mehr Startups zu unterstützen, die wirklich einen Unterschied für unser Klima und unsere Gesellschaft machen.
Das sind tatsächlich einige Faktoren. Ich nenne einmal die Wesentlichen:
Das Startup löst ein echtes Problem für viele Menschen. Der Markt ist riesig. Die Lösung ist günstiger und besser als herkömmliche Ansätze und hat einen positiven Impact auf unser Klima. Das diverse Gründerteam bringt relevante Erfahrungen mit und kennt sich schon lange. Es hat auf seinem Weg schon so manche kritische Situation gemeistert und ist darüber zusammengewachsen. Sie konnten bereits erste Partner oder sogar Kunden für ihre Lösung gewinnen. Sie haben eine klare Vision, was sie mit ihrem Unternehmen erreichen wollen und wie ein möglicher Exit aussehen kann.
Mein Portfolio umfasst gerade sieben Impact Startups, vor allem im Bereich Greentech. Ich möchte gerne weiterwachsen und suche aktuell nach spannenden Startups in den Bereichen Energie und marine Ökosysteme – natürlich mit Female Cofounder. Als Solopreneur stoße ich dabei zunehmend an meine Grenzen. Deshalb beschäftige ich mich intensiv mit der Frage, wie wir Business Angels unsere Kräfte besser bündeln können – sei es beim Dealflow, bei der Due Diligence oder gemeinsamen Investments.
Gemeinsam mit Heike Wemhoff erkunde ich gerade verschiedene Modelle für Angel-Syndikate und freue mich über Mitstreiter:innen, die diese Idee mit uns weiterdenken und gestalten möchten.
Ohne encourageventures wäre ich nicht da, wo ich heute stehe. Die Business Angel Academy und das starke Netzwerk haben mir entscheidend dabei geholfen, die ersten Schritte als Angel Investorin zu gehen. Ich bin der Geschäftsstelle, dem Vorstand und unseren Mitgliedern sehr dankbar für die vielen Impulse und Erfahrungen, die ich gemeinsam mit euch sammeln durfte.
Und ich bin überzeugt: Wir stehen erst am Anfang unserer Reise! Ich freue mich auf die nächsten Schritte mit euch – und darauf, möglichst viele von euch bei der Courage in Berlin zu treffen.
Vielen Dank für Deinen Beitrag.